Chancen der Energiewende für die Region

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) hat beim öffentlichen Fachgespräch des Umweltausschusses des Deutschen Bundestages zum Umweltgutachten 2016 die Schaffung einer Wind-Wasserstoff-Modellregion zwischen Elbe und Weser begrüßt.


Prof. Dr. Martin Faulstich, Chef der Umweltweisen, erklärte, dass insbesondere Niedersachsen mit seinen zahlreichen Kavernen als Speicherort für Wind-Wasserstoff geeignet sei. Gerade für die chemische Industrie böten sich hier neue Geschäftsfelder. „Ich kann Sie in dieser Frage nur ermutigen und da machen wir auch gerne mit, die Industrie in diesem Feld zu unterstützen“, so Faulstich auf Anfrage Grundmanns.
„Damit ist Wind-Wasserstoff der Energiespeicher der Zukunft und eine große Chance für die gesamte Elbe-Weser-Region. Das wurde mir heute vom Vorsitzenden des SRU, Prof. Dr. Martin Faulstich, auf Anfrage im Umweltausschuss bestätigt. Die Gewinnung von Wasserstoff aus überschüssigem Windstrom durch Elektrolyse wäre ein Meilenstein auf dem Weg zur Umsetzung der Energiewende. Wir haben in unserer Region die besten Voraussetzungen, um gemeinsam mit starken Partnern wie der Dow Chemical die Entwicklung einer zukunftsweisenden Wind-Wasserstoff-Wirtschaft weiter voranzutreiben. Unser Ziel muss es sein, zu einer führenden Modellregion zu werden, die in Deutschland beispielhaft vorangeht. Über das großartige Potenzial dieser Technologie bin ich mir bereits mit dem Präsidenten von Dow Deutschland, Dr. Willem Huismann und dem Parlamentarischen Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann, aus unserem letzten Austausch einig. Wir bleiben da weiter am Ball und ich freue mich, dass der Vorsitzende des Sachverständigenrats hier seine Unterstützung angekündigt hat. Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt auf einem guten Weg“, so der Bundestagsabgeordnete Oliver Grundmann.
Grundmann forderte auch weitere Anstrengungen beim Leitungsausbau. „Um den Strom vom windreichen Norden in den Süden unseres Landes zu transportieren, ist der Ausbau unserer Netze dringend erforderlich. Hier hat die rot-grüne Landesregierung ihre Hausaufgaben nicht gemacht und von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die gelbe Karte bekommen. Das Windenergieland Nr. 1 ist beim Leitungsausbau Schlusslicht. Die Landesregierung muss endlich Taten folgen lassen, damit Niedersachsen bei der Energiewende nicht abgehängt wird. Ohne Leitungen und Speicher sind alle Anstrengungen auf dem Weg zur Energiewende für die Katz. Daher muss jetzt endlich Gas gegeben werden, wobei Wind-Wasserstoff ein ideales Energiespeichermedium darstellt.“


Der Sachverständigenrat für Umweltfragen ist das älteste wissenschaftliche Beratergremium der Bundesregierung. Seit 1972 berät die siebenköpfige Experten-Gruppe die Bundesregierung in Umweltfragen und gibt durch regelmäßige Gutachten Impulse für umweltpolitische Entscheidungsträger. Für das aktuelle Umweltgutachten 2016, das im Mai an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks übereicht wurde, findet Oliver Grundmann auch kritische Töne.
„Eine verantwortungsvolle Wirtschafts- und Umweltpolitik sind zwei Seiten einer Medaille und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Hier bleibt das Umweltgutachten des SRU zu vage. Es fehlen konkrete Initiativen, um den Zielkonflikt zwischen umweltpolitischen Erwägungen und der Wettbewerbsfähigkeit unserer deutschen Wirtschaft zu entschärfen. Es darf nicht passieren, dass Firmen aufgrund steigender Energiekosten ins Ausland abwandern. Energiepreise sind ein entscheidender Standortfaktor. Deshalb brauchen wir einen maßvollen Interessenausgleich zwischen der Förderung der Energiewende und der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen“, so Grundmann.
Ein weiterer Stolperstein sei das Regelungsdickicht der Umweltgesetzgebung. Es könne nicht sein, dass heute das Inhaltsverzeichnis bereits so dick sei wie früher ein komplettes Umweltgutachten. Hier müsse der Bürokratieaufwand konsequent zurückgeschnitten werden, damit unsere Wirtschaft weiter kraftvoll wachsen könne.


Kern des rund 500 Seiten umfassenden Umweltgutachtens ist die Forderung nach einer Vorreiterrolle Deutschlands bei der „ökologischen Transformation“ der Industriegesellschaft. Ziel müsse es sein, die „Ressourcennutzung, Emissionen und Abfälle auf ein deutlich niedrigeres Niveau zu senken“. Deutschland habe durch sein starkes Innovationspotential und die im Grundsatz bestehende Unterstützung der Bevölkerung für eine aktive Umweltpolitik beste Voraussetzungen. Mit dem Umweltgutachten wolle der Sachverständigenrat für Umweltfragen Impulse in sechs Schwerpunktbereichen setzen: der ökologischen Transformation, Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit, Umwelt- und Sozialpolitik im Kontext der Energiewende, Flächenverbrauch und demografischer Wandel sowie Wildnis-Ausbau und Schutz der Biodiversität vor Pestiziden.

Bild: Oliver Grundmann, MdB und Prof. Dr. Martin Faulstich