Wachsende Wolfspopulation

Der Bundestagsabgeordnete Oliver Grundmann fordert einen verantwortungsvollen Umgang mit der anwachsenden Wolfspopulation in Niedersachsen. „Verhaltensauffällige Einzeltiere, die sich bereits bis auf wenige Meter den Menschen genähert haben, erfüllen mich mit größter Sorge. Es muss eine vernünftige Balance zwischen den Verpflichtungen des Naturschutzes, der Akzeptanz in der Bevölkerung und den Interessen der Nutztierhalter gefunden werden“, so Grundmann nach der öffentlichen Anhörung zum Thema „Wolf – Artenschutz und Management“ im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages.


Grundmann: „Die Wolfsichtungen in Norddeutschland und insbesondere im Elbe-Weser-Raum sind immer auffälliger. Wir müssen diese Entwicklung genau im Auge behalten. Die Landesregierungen stehen hier in der Verantwortung durch politische Entscheidungen Sorge zu tragen, dass das Wachstum gelenkt und die Akzeptanz in der Bevölkerung gewahrt bleibt. Ich fordere die grünen Umweltminister in den Ländern dazu auf, ihrer Verantwortung für die Menschen im ländlichen Raum gerecht zu werden. Ihr Schutz hat oberste Priorität. Es kann nicht sein, dass aus ideologischen Gründen die Augen verschlossen werden. Es müssen frühzeitig konsequente Maßnahmen angegangen werden, bevor Schlimmeres passiert. Ernsthaft besorgt machen mich Schilderungen von Schafen und Lämmern, die bereits von unseren Deichen gerissen wurden. Die Beweidung durch Schafe ist für den Deichschutz essentiell. Unsere Schäfer und ihre Schafe sorgen bei Wind und Wetter dafür, dass unsere Deiche sicher bleiben. Prävention stößt in den bisher empfohlenen Maßnahmen an die Grenze dessen, was zumutbar ist. Beispielsweise ist eine Zäunung auf Deichen und in den Marschen, die durch die typische Grabenstruktur geprägt sind, gar nicht möglich. Hier steht die Politik in der Verantwortung, damit keine Existenzen gefährdet werden und Deichschutz durch bestmögliche Pflege garantiert bleibt.“


Die Expertenanhörung im Deutschen Bundestag unter Mitwirkung von Frau Dr. Britta Habbe, Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen, kam zu dem Ergebnis, dass die Wolfspopulation in Deutschland einem dynamischen Wachstum unterliege. Es sei belegt, dass ein genetischer Austausch des deutsch-westpolnischen Vorkommens mit dem nordosteuropäisch-baltischen Vorkommen bestehe, womit eine nachhaltige Existenzsicherung – bezogen auf das Verbreitungsgebiet von Deutschland über Polen, das Baltikum und darüber hinaus – erreicht sei. In den nächsten Jahren sei zudem mit einem verstärkten Zuzug von Wölfen aus Südeuropa zu rechnen. Die Durchmischung der Populationen auf deutschem Territorium befördere die aufgezeigte Wachstumsdynamik zusätzlich. Auch könne eine Gefährdung bestimmte einheimischer Tierarten nicht ausgeschlossen werden.


Grundmann: „Bei aller Wertschätzung für den Wolf müssen wir alle Dinge im Blick behalten. Wir haben auch eine Verantwortung für seltene und auf der roten Liste aufgeführte Schafrassen oder auch für das europäische Wildschaf, welches in Wolfsgebieten ansonsten keine Chance hat.“