Truppenbesuch: Grundmann zurück aus Mali

12.03.2018

Erste Eindrücke nach Truppenbesuch in Gao 

Bei seiner viertägigen Reise nach Westafrika besuchte der Bundestagsabgeordnete Oliver Grundmann die rund 400 Kameraden der Fallschirmjägerkaserne Seedorf. Im Rahmen der Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen (MINUSMA) in Gao stationiert, leisten der Seedorfer vor allem Unterstützung im Bereich Aufklärung, Logistik und Absicherung.

Grundmann: „Der Norden Malis ist Rückzugsgebiet für Rebellen und islamistische Terroristen und gehörtet laut UN zu den gefährlichsten Krisenregionen weltweit. Ohne UN-Unterstützung würde hier das Chaos losbrechen. Deshalb meine absolute Hochachtung vor dem Kameradinnen und Kameraden, die hier stationiert sind.“

Nachfolgend persönliche Eindrücke und Bewertungen nach Rückkehr des Abgeordneten am Donnerstag:

Material und Mensch unter Extrembedingungen

„Die aus der Luft sich wie der „Mars“ darstellende staubige, steinige und knochentrockene Wüstenlandschaft fordert von Mensch und Material Unglaubliches ab. Bei 40-50 Grad Celsius am Tag beträgt der Grundumsatz an Kohlenhydraten 4000-5000 KHE und mindestens 6 Liter Wasser pro Kopf.“

„Auch die Reifen der Radfahrzeuge erweisen sich als Mengenverbrauchsmaterial. Waren im ersten Quartal noch ein Dutzend Reifen verschlissen, schaffen das die Fallschirmjäger jetzt in der Hälfte der Zeit. Warum? Weil sie weiter rausgehen, auch dahin wo andere vorher umgedreht sind. 100 km außerhalb des Militärlagers „Camp Castor“ traut sich außer den Seedorfern keiner raus.“

Wir müssen aber auch für die erforderlichen Rahmenbedingungen sorgen. So müssen Ersatzmaterial für Wartung und Austausch schneller fließen. Lang ersehnte Reifen für den Spähwagen Fennek kamen am Tag der Abreise aus dem Lager in Leipzig in einer Stückzahl von 13 an. Das ist der Bedarf, der gerade in den letzten Wochen verschlissen wurde.

Ebenfalls leistet Deutschland vor Ort Hilfe aus der Luft. Die Hubschrauber sind im Wüstensand und bei sengender Hitze 7 Tage die Woche 24 Stunden im Einsatz. Die NH-90 Rettungs- und Sicherungshubschrauber werden zum 30.06. zur Wartung zurück nach Deutschland verlegt. Die UN entscheidet aktuell über eine Nachfolgeregelung. Grundsätzlich sei die Truppe vor Ort aber sehr gut ausgestattet.

Das, was vom Menschen und Material geleistet wird ist überaus enorm und fordert alles ab. „Ich habe noch nie so entschlossene, motivierte und top ausgebildete Soldaten an einem Ort gesehen.“ so Grundmann.

Zwei Ereignisse besonders Erinnerung

Der entschlossene Einsatz eines Oberfeldarztes, der am 8. Februar, dem zweiten Tag im Einsatz, sechs ägyptische UN-Soldaten ausflog und dabei fünf Schwerstverwundeten das Leben retten konnte. „Solche Geschichten gehen unter die Haut.“ so Grundmann.

Gerade in der vergangenen Woche konnte ein Sprengfallenanschlag auf einen Konvoi nigerianischer UN-Soldaten durch die Aufklärungsdrohne Heron abgewendet werden. Die Drohne hatte zuvor Bilder aufgenommen, auf denen zu sehen war, wie die Sprengfalle vergraben wurde, weshalb die Soldaten gewarnt werden konnten.

Im Gepäck nach Berlin

Eine Erkenntnis des Besuchs vor Ort und den Gesprächen mit den Soldatinnen und Soldaten ist die Notwendigkeit einer fähigkeitsverstärkten Drohne zum Schutz der Einsatzkräfte. Die von Israel geleaste Drohne „Heron“, die bereits in Mali zum Einsatz kommt, ließe sich dementsprechend nachrüsten bzw. als weiterentwickelte Version Heron TP einsetzen. Zurzeit leistet diese mit hochauflösenden Bildaufnahmen einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung des Gebiets rund um Gao, kann die Soldatinnen und Soldaten im Falle einer Notsituation jedoch nicht aus der Luft unterstützen. Sollte es dort zu einem Unfall oder einem Hinterhalt kommen, dauert es zu lange bis mit den Kampfhubschraubern Tiger Unterstützung aus der Luft gewährleistet werden kann und das, obwohl die Drohne sich bereits in der Luft befindet und unmittelbar unterstützen könnte.

Grundmann fordert daher eine Drohne, die mit Bordbewaffnung einen Schutz der weit außerhalb des Standortes Camp Castor agierenden Soldaten Leben gewährleisten kann. Die SPD hatte zuletzt ein solches Projekt des Bundesministeriums der Verteidigung verhindert. Im Koalitionsvertrag ist nun die Weiterführung der Entwicklung der Euro-Drohne im Rahmen der Europäischen Verteidigungsunion, sowie eine potentielle Bewaffnung vorgesehen.

Zurück in Berlin hat Grundmann Gespräche mit dem verteidigungspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Henning Otte, vereinbart. Otte bedankte sich seinerseits, dass Grundmann vor Ort war, um sich ein ausführliches Lagebild zu machen: „Gerne hätte ich Oliver Grundmann nach Mali begleitet. Leider war ich terminlich gebunden. Umso mehr freue mich auf die Einschätzung meines Kollegen. Immerhin erst der dritte Abgeordnete überhaupt, der als Nicht-Regierungsmitglied dort unten war. Gemeinsam wollen wir jetzt daran arbeiten, unsere Truppe bestmöglich auszustatten.“

Dankbarkeit gegenüber Einsatzkräften

„Ein Engel hat mich nach Mali geleitet!“ so Grundmann. „Mein besonderer Dank gilt dem Stabsfeldwebel Engels, der mich auf dem Herbstfest der Fallschirmjägerkaserne Seedorf angesprochen und mich darum gebeten hat, die Soldatinnen und Soldaten vor Ort im Einsatz zu besuchen. Es freut mich sehr, dass ich dieser Bitte nachkommen und diese wertvollen Eindrücke von dort mitnehmen konnte.“ so Grundmann weiter.

Grundmanns Botschaft beim Verabschiedungsappell der Einsatzsoldatinnen und Soldaten in Selsingen, „Das Parlament und die Heimat stehen hinter euch!“ und „Wir sehen uns wieder!“ konnten so eingelöst werden.

Grundmann plante die Bürgermeister der umliegenden Patengemeinden auf dem Besuch mitzunehmen, was jedoch nicht möglich war. Dafür brachte der Abgeordnete den Soldaten 480 Portionen Nutella aus der Heimat und einen Kiste mit herzlichen Wünschen an die Soldatinnen und Soldaten mit in die Wüste. Ebenfalls im Gepäck hatte Grundmann eine eigens angefertigte Regimentsfahne, des Fallschirmjägerregiments 31 aus Seedorf.

Grundmann hofft mit allen Bürgern, Familien und Angehörigen aus Seedorf auf die unversehrte Rückkehr aller Einsatzkräfte. „Danke für den Besuch, danke für die motivierenden Worte, danke für Ihren Einsatz für den Standort und unsere Kameraden“, so Oberstabsfeldwebel Engels an den Abgeordneten.

Grundmann Fazit: „Die Seedorfer Kameraden sind in Mali angekommen und leisten vor Ort entschlossen ihren Dienst. Mutig und ohne Schaum vor dem Mund sind sie auf langen Wüstentrecks unterwegs und erkunden das unwegsame Gelände.“