Diskussion über Lent-Kaserne

29.01.2018

In den letzten Wochen erreichen mich einige Zuschriften und Anfragen hinsichtlich Für und Wider einer Umbenennung der Lent-Kaserne.

Die Soldaten vor Ort, Bürgermeister, Landrat, Kreistag und Vertreter des Landes- und Bundespolitik haben sich für eine Beibehaltung des Namens ausgesprochen. Die Berücksichtigung der Meinung der direkt vor Ort Befindlichen unterstütze ich ausdrücklich. Der Respekt vor diesem Prozess der Meinungsbildung ist auch Ausdruck der Grundsätze der Inneren Führung und des Staatsbürgers in Uniform. Auch das Bundesministerium der Verteidigung vertritt diese Auffassung. Ein neuer Traditionserlass der Bundeswehr befindet sich derzeit in Erarbeitung, ist aber noch nicht in Kraft. Wir müssen abwarten, wie sich ein neuer Erlass auf die Debatte auswirkt.

Auch ich habe mich öffentlich gegen eine Umbenennung der Kaserne ausgesprochen. Helmut Lent hat die Zivilbevölkerung in den deutschen Großstädten vor den massiven Luftangriffen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg verteidigt und durch seine fliegerischen Leistungen dazu beigetragen, zahlreiche Menschenleben zu retten. Er war ein guter Soldat im Dienst einer falschen Führung – der sich in seinem Tode vom verbrecherischen Regime des Nationalismus distanzierte: Er verzichtete in einer von ihm verfassten Todesanzeige auf die übliche Floskel „gefallen für Führer, Volk und Vaterland“ und formulierte lediglich ein Bekenntnis zu Christentum und Vaterland, während er seinen Angehörigen jegliche Bezugnahme auf den Nationalsozialismus untersagte. (Gutachten des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr)

Gleichwohl wurde er durch die NS-Propaganda instrumentalisiert – ein sensibles Thema, dass eine kritische Auseinandersetzung mit dem System des Nationalsozialismus absolut notwendig macht. Helmut Lent ist beispielhaft für Tapferkeit, Mut und fliegerische Brillanz – ihn bezogen auf diese Eigenschaften als „große Persönlichkeit“ zu bezeichnen, mag militärisch nachvollziehbar sein – jedoch nicht im Kontext einer kritischen Auseinandersetzung der Person Lent vor dem Hintergrund der Verbrechen der NS-Zeit. Ich plädiere dafür, dass wir diese wichtige Diskussion und damit gleichsam unsere historische Verantwortung nicht einfach durch eine Umbenennung wegwischen, sondern diese kritische Auseinandersetzung aktiv suchen – das Geschichtsverständnis der Soldatinnen und Soldaten vor Ort schärfen. Dann ist der Traditionserlass unserer Truppe gelebte und vor allem sinnstiftende Wirklichkeit. „Tradition ist die Überlieferung von Werten und Normen. Sie bildet sich in einem Prozess wertorientierter Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Tradition verbindet die Generationen, sichert Identität und schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft.“ (Erster Grundsatz: Traditionserlass der Bundeswehr)