Mein Jahr in den USA

Mitte August letzten Jahres war es dann endlich soweit: Ich flog nach langem Warten nach New York City um mein Auslandsjahr zu beginnen. Ich kann mich noch sehr genau an den Tag erinnern. Die Nacht zuvor konnte ich kaum schlafen vor Aufregung.

Nach ungefähr neun Stunden Flug setzte ich zum ersten Mal einen Fuß in den USA. Alles war total spannend. Von New York City aus ging es dann auch gleich mit dem Bus nach Maryland, wo wir Austauschschüler ein Willkommens-Camp hatten. Am nächsten Nachmittag sollten wir dann auch schon von unseren Gastfamilien abgeholt werden, aber bis dahin gab es noch Tipps und Regeln mit auf den Weg. Als die Zeit gekommen war und meine Gastfamilie kam um mich abzuholen, haben wir uns gleich alle umarmt und schon super verstanden.

Meine Gasteltern Laura und Andy und meine Gastgeschwister David und Julia lebten in einem schönen Haus in der Washington DC Metropolitan Area. Auf der Fahrt nach Hause haben wir schon gleich angefangen über Hobbies, Musikgeschmack und andere Sachen zu reden. Ich wusste sofort, dass ich keine nettere, offenere und liebenswürdigere Gastfamilie hätte finden können!

Nachdem ich circa zwei Wochen Zeit hatte mich in DC einzuleben, ging es dann auch mit der Schule los. Einige Tage zuvor hatte mir meine Gastmutter den Weg gezeigt. Zur Schule ging es leider nicht im typischen gelben Schulbus, sondern mit der U-Bahn. Am selben Tag musste ich mir auch meine Schulfächer aussuchen. Ich wählte US-Geschichte, Geometrie, Schauspiel, Verfassungsrecht, Chemie und Psychologie. Die High-School, die ich besuchte, hieß „School Without Walls“. Sie war ungefähr 550 Schüler groß mit 20 Austauschschülern aus aller Welt. Die Schule befand sich im Stadtzentrum von Washington, DC und war somit an einem idealen Standort. Mein Schulweg führte sogar am Weißen Haus vorbei!

Der erste Schultag war ziemlich aufregend für mich. Da meine Gastgeschwister eine andere Schule besuchten, war ich ganz auf mich alleine gestellt. Vor der ersten Stunde hatte man mir einen Stundenplan in die Hand gedrückt, der so verwirrend war, dass ich mir erstmal Hilfe suchen musste. Meine erste Stunde war Tanzen. Der Lehrer und die anderen Schüler waren alle nett, jedoch habe ich gleich bemerkt, dass das Fach nicht die richtige Wahl war und habe es schnell umgewählt zu Chemie. Das nächste Fach war Psychologie und ich hatte schon gleich ganz viel Spaß. Um 11.30 Uhr hat meine Mittagspause angefangen und ich wurde von einigen Schülern gefragt, ob ich mit ihnen essen möchte. Das war richtig gut, denn so habe ich neue Leute kennengelernt. Nach der Mittagspause hatte ich noch zwei Fächer und dann war Schulschluss um 15.15 Uhr.

Nach dem ersten Eindruck von der Schule war ich ein wenig erstaunt. Ich hatte mir die Schule und das Schulleben ein wenig anders vorgestellt – so wie es immer in den Filmen gezeigt wird. Jedoch hatte meine Schule weder die bekannten Schließfächer noch die beliebten American Football Spieler oder Cheerleader. Das einzige, was ich aus den Filmen wiedererkannt habe, war, dass die Schule ein eigenes Maskottchen hatte: Einen Pinguin. Nachdem ich mich aber eingelebt hatte, war ich total glücklich.

Die ersten zwei bis drei Wochen waren noch ziemlich ungewohnt, aber schnell wurde alles zur Routine. Um 6.15 Uhr aufstehen, das Haus um 7.45 Uhr verlassen, 8.45 Uhr Schulbeginn und 15.15 Uhr Schulschluss. Nach zwei Wochen habe ich dann auch mit Rudern angefangen, es dann aber wenig später aufgegeben um Basketball spielen zu können. Das Basketball-Training hat immer nach der Schule von montags bis freitags stattgefunden. Wirklich Spaß hat es nun nicht gemacht, aber es war einfach gut dort neue Leute kennenzulernen.

Bis Mitte Februar war es mit Schule und Sport zusammen sehr stressig und anstrengend für mich. Durch das Basketball-Training war ich erst zwischen 9 und 10 Uhr Zuhause. Danach mussten noch Hausaufgaben gemacht werden…

Als die Basketball-Saison vorbei war, hatte ich auch endlich mehr Zeit um mit meinen Freunden und meiner Gastfamilie etwas zu unternehmen. Mit meinen Freunden bin ich z. B. ins Kino gegangen oder wir haben uns die interessanten Monumente in DC angeschaut. Zwei Mal sind wir sogar mit dem Bus nach New York City gefahren und haben dort den Tag verbracht. Mit meiner Gastfamilie habe ich auch Spannendes unternommen. Wir waren zusammen Skifahren in Herschey, Pennsylvania und in Atlantic City nach dem Thanksgiving-Fest. Das absolute Highlight war jedoch, als ich mit ihnen zusammen eine Kreuzfahrt in die Karibik gemacht haben. Wir hatten sehr viel Spaß zusammen.

Mein Austauschjahr war natürlich aber auch kein Ponyhof. Manchmal gab es schwierige Momente, die man bewältigen musste. Vor allem während der Weihnachtszeit war ich oft traurig, dass ich nicht mit meiner „echten“ Familie zusammen sein konnte. Aber eine Woche vor Weihnachten habe ich mir dann gesagt, dass ich mich zusammen reißen muss. Ich sagte mir, dass so viele Schüler gerne einen Austausch erleben möchten, es aber nicht können und dass ich deshalb froh sein solle, dass ich in den USA bin. Das hat auch eigentlich so weit gut geklappt, denn danach hatte ich kein einziges Mal mehr Heimweh.

Ich werde ganz oft nach Unterschieden zwischen den USA und Deutschland gefragt. Dazu muss ich sagen, dass ich nicht sehr viele große kulturelle Unterschiede erlebt, aber ab und zu kleine Unterschiede gespürt habe. Zum Beispiel ist mir aufgefallen, dass in den USA die Leute nicht so direkt sind wie in Deutschland. Wenn ihnen etwas nicht gefällt, wird es meistens nicht direkt gesagt, sondern nur indirekt angedeutet. Und andersherum: Wenn ich als Deutscher meine Meinung direkt gesagt hätte, könnte das schnell als unhöflich herüberkommen, obwohl es hier in Deutschland normal wäre. Mir ist auch aufgefallen, dass viele Amerikaner nicht so häufig über ihren Tellerrand schauen. Für viele ist Amerika das Ein und Alles und etwas anderes möchten sie auch nicht sehen. Das ist hier in Deutschland ganz anders.

Da kam ich dann aber ins Spiel als PPP-Botschafter. Ich habe nämlich versucht, Leuten klar zu machen, dass es wichtig ist, über den Tellerrand zu schauen. Mit Hilfe von Präsentationen und Referaten über Deutschland und Europa habe ich zum Beispiel versucht, Schüler anzuregen, einen Austausch zu machen.

Um meinen Bericht abzuschließen möchte ich sagen, dass dieses Auslandsjahr so viel Spaß gemacht hat und ich mich sofort wieder bewerben würde. Ich habe unvergessliche Erfahrungen gesammelt und Momente erlebt, neue Dinge und Kulturen kennengelernt, Freundschaften geschlossen und einfach eine schöne Zeit gehabt.

Dafür möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Herrn Grundmann bedanken, denn ohne ihn hätte ich nie die Möglichkeit gehabt, ein Auslandsjahr in den USA zu machen.
Das PPP-Programm ist jedem zu empfehlen, der gerne neue Dinge und Leute kennenlernen möchte, sehr engagiert ist und seinen Horizont erweitern möchte.