Ein Jahr in einer anderen Welt

Letztes Jahr am 12. August 2016 machte ich mich auf den Weg in den Bundesstaat Washington im Nordwesten der USA, um wie einer der vielen Austauschschüler die jedes Jahr die USA oder andere Länder der Welt besuchen, eine neue Kultur kennenzulernen. Ich bin immer davon ausgegangen,dass man die Kulturen während des Auslandsjahres zusammen bringt, aber zum Beispiel musste ich schon einige Missverständnisse aufklären bevor ich überhaupt Deutschland verließ. Viele meiner Freunde oder Bekannten gingen davon aus, dass ich ein Jahr in der Hauptstadt verbringen würde, Washington DC, aber wie schon gesagt würde ich am anderen Ende der USA, in Washington State, leben.
Nachdem ich angekam blieb mir noch etwa einen Monat Zeit, bevor die Schule began. So ich hatte natürlich viel Zeit mich mit meiner Gastfamilie anzufreunden und sie besser kennenzulernen. Leider konnte ich in dieser Zeit nicht viele andere Leute meines Alters treffen. Jedoch habe ich mich sehr gut mit den anderen Austauschschülern in der Region verstanden und viele Freunde fürs Jahr und hoffentlich mein ganzes Leben gefunden.

Der Schulalltag in den USA

Nachdem das Schuljahr angefangen hatte, konnte ich festgestellen, dass es nicht nur in der Lebensweise sondern auch im Schulsystem viele Unterschiede zwischen unseren Ländern gibt. So gab es zum Beispiel einen viel größeren Zusammenhalt zwischen den Schülerinnen und Schülern und alle waren sehr stolz ein Teil der Schulgemeinschaft zu sein. Auch das Schüler-Lehrer Verhältnis war nicht so distanziert wie in Deutschland. Ich finde dass diese überaus freundliche und menschliche Ebene das Lernen erleichtert ha. Zugleich machte dies es auch schwerer die Schule nach einem Jahr wieder zu verlassen. Außerdem bot meine Schule in den USA viel mehr verschiedene Unterrichtsfächer als meine Schule in Deutschland an. Als ich meinen Stundenplan zusammenstellen wollte, konnte ich aus einem über 20-seitigen Katalog wählen! Das Angebot reichte von Bühnentechink, über Japanisch bis hin zu einem Video-Unterricht, in dem man den schuleigenen “Nachrichtensender” betreut hat. Dieser Sender strahlte jeden Tag etwa zehnminütige Sendungen über Erfolge unserer Schulmannschaften, Aktionen des Schülervorstandes oder einfach nur Termine aus. Aber auch der Schulalltag war anders: Jeden Tag hatte ich die gleichen sechs Fächer und der Unterricht begann auch eine halbe Stunde früher als ich es von Deutschland gewohnt war um 7:30 Uhr. Wenn man Teil eines Sportteams war, fing der Schultag sogar schon um 6:30 Uhr an. Und zwischen den Stunden hatte man jeweils nur fünf Minuten Zeit den Klassenraum zu wechseln. Dies macht es leider schwer Leute in den Pausen kennenzulernen.

Die Gastfamilie

Meine Gastfamilie in den USA bestand aus Melanie und Charlie. Beide waren Rentner und hatten für die Universität in Huston, Texas, gearbeitet und geforscht. Außerdem war auch noch ein anderer Austauschschüler ein Teil der Familie. Sein Name war Saeed und er kommt aus Pakistan. Auch wenn wir beide uns nicht so gut miteinander verstanden haben, konnte ich doch viel über Pakistan, die Kultur und die Lebensweisen dort lernen. Ich finde, dass das Miterleben von zwei anderen Kulturen (und nicht nur der US-amerikanischen) mein Auslandsjahr besonders geprägt hat.

Das Bild Deutschlands in den USA

Wenn meine Mitschüler hören, dass ich aus Deutschland kam, dann ging der erste Gedanke an Adolf Hitler und die damit verbundenen NS-Zeit Dies war ein wenig enttäuschend für mich, weil ich dachte, dass sich das Ansehen Deutschlands im Verlauf der letzten Jahrzehnte verbessert hatte. Habe ich jedoch mit Erwachsenen, oder Schülern gesprochen, die sich für Geschehnisse außerhalb der USA interessieren, wurde Deutschland immer wieder für die zentrale Rolle in der Flüchtlingskrise bewundert. Viele waren beeindruckt, dass deutsche Bürger so herzlich Flüchtlinge in Deutschland aufgenommen haben. Leider war es aber eher die Ausnahme, dass sich Schüler für internationale Ereignisse interessierten. So wussten einige nicht wo Deutschland liegt, oder wer unsere Bundeskanzlerin ist. Als ich Vorträge über Deutschland gehalten hatte, waren viele erstaunt, dass es in Deutschland mehr als zwei große Parteien gibt. Die Amerikaner gingen davon aus, dass es in jedem Land nur zwei große Parteien gibt, die alle anderen so gut wie machtlos machen.

Dinge, die ich fürs Leben gelernt habe

Mein Auslandsjahr hat mir beigebracht, selbstständiger und selbstbewusster zu werden. Dadurch, dass ich ein Jahr ohne meine Familie, Freunde in einer unbekannten Umgebung verbracht habe, war ich auf mich alleine gestellt. Nun weiß ich, dass ich vieles auch ohne Hilfe meistern kann und trete selbstbewusster auf.
Außerdem habe ich gelernt mit stressigen oder schwierigen Situationen umzugehen, auch wieder weil ich während des Auslandsjahrs nicht meine Eltern hatte, die sich für mich um Dinge für mich gekümmert haben.
Mir wurde aber auch gezeigt, dass das Verhalten von Menschen aus verschiedenen Kulturen und Ländern ganz unterschiedlich ist und auch jeder unterschiedliche Dinge als höflich oder unangebracht empfindet.

Dinge, die ich vermisse

Vor allem vermisse ich meine Gastfamilie, da mit meine beiden Gasteltern sehr ans Herzgewachsen waren. Sie waren meinen Ansprechpartner und Vertrauenspersonen während des gesamten Auslandsjahres. Genauso vermisse ich meine Freunde, aber auch die Schule und der intensive Zusammenhalt zwischen Schülern, aber auch zwischen Schülern und Lehrern. Dieser “School Spirit” hat einen großen Beitrag dazugetragen, dass ich die Schule jetzt so vermisse. Jeder war Stolz ein Teil der Schulgemeinschaft zu sein und jeder hat alles gegeben um die Schule zu einem besseren Ort zu machen. Aber ich vermisse auch die Unabhängigkeit, die ich in den USA erleben durfte, bin aber auch froh meine Eltern; Geschwister und Freunde wieder täglich zu sehen.