Zu aller erst möchte ich mich dafür bedanken, dass es ein so großartiges Program, wie das PPP gibt. Vielen Dank an den deutschen Bundestag und den us-amerikanischen Congress. Ohne die finanzielle Unterstützung wäre es mir nie möglich gewesen, ein Auslandsjahr zu erleben. Vielen Dank an meinen „Bundestagspaten“ Oliver Grundmann, der mir über die letzte Hürde der Bewerbung geholfen hat und mich in ein Jahr voller Herausforderungen, spannender Erlebnisse und Lektionen für das ganze Leben geschickt hat.

Für das Jahr habe ich in dem nord-östlichen Bundesstaat Rhode Island gelebt. Rhode Island ist der kleinste US-Bundessaat und votiert bei Präsidentschaftswahlen seit 1984 immer für die „Demokraten“. Ich wohnte in dem 31.000 Einwohner starken South Kingstown, nur wenige Minuten von wunderschönen Stränden am Atlantischem Ozean entfernt. Zur Schule bin ich auf die örtliche, öffentliche High School gegangen. Ich habe
die elfte Klasse besucht. Insgesamt waren wir Anfangs fünf später nur noch vier Austauschschüler zwischen den anderen rund 1.200 Schülern von Stufe neun bis Stufe zwölf.

AFS-USA hatte für mich eine unglaubliche „Liason“, welche mich durch das Jahr begleitet hat. Sie war bei Fragen immer für mich da und hat mich unterstützt. Sie wäre auch für mich da gewesen, hätte es Komplikationen mit meiner wundervollen Gastfamilie gegeben. Diese bestand aus meinem 16 jährigen Gastbruder, meinen 21 und 23 jährigen Gastschwestern, meiner Gastmutter und meinem Gastvater. Meine
Gastschwestern gehen zu der nahegelegenen „University of Rhode Island (URI)“, an der mein Gastvater ein Französischprofessor ist. Meine Gastmutter arbeitet dort in der Verwaltung. Wie schon erwähnt, gab es keine Probleme mit meiner Gastfamilie und wir haben uns die meiste Zeit prima verstanden. Natürlich gab es das ein oder andere Mal „Meinungsverschiedenheiten“, diese wurden aber immer schnell besprochen und danach verstand man sich auch wieder wie zuvor. Ich würde sagen, bei der Gastfamilie habe ich einen Volltreffer gelandet.

Unter der Woche bin ich gegen 5.40 Uhr aufgestanden, habe mein Schulessen gepackt und habe einen der bekannten gelben Busse gegen 6.45 Uhr zur Schule genommen. Einige Klassen, die ich besonders gerne besucht habe, waren „Videography“, in welcher wir gelernt haben, mit Kameras umzugehen und das Videomaterial zu bearbeiten. Ebenfalls hatte ich immer sehr viel Interesse an meinem Kurs „Holocaust and human behavior“. Ich war interessiert daran, zu sehen, wie das Thema in einem anderen Land unterrichtet wird. Auch die Lehrerin war erfreut, mich im Unterricht dabei zu haben. So konnte ich beispielsweise meine Eindrücke, Erfahrungen und Perspektiven mit dem Rest der Klasse teilen, da wir auch über aktuellere Situationen gesprochen haben. Dabei ist mir zum ersten Mal in meinem Austauschjahr aufgefallen, wie wichtig es ist, mit anderen Menschen aus anderen Kulturkreisen zu kommunizieren. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, unterschiedliche Standpunkte zu erfahren und dann auch zu verstehen. Ich glaube dadurch habe ich mich sehr stark positiv weiterentwickelt.

Während des gesamten Jahres habe ich immer wieder neue Leute kennengelernt und es hat jedesmal Spaß gemacht, sich über Erfahrungen in den USA, aber auch über die im Heimatland auszutauschen. Durch AFS Orientationen habe ich andere Austauschschüler aus Italien, Österreich. Portugal, Mexiko, Türkei, China und Hong Kong kennengelernt. Wir haben uns alle bestens verstanden, obwohl wir alle sehr unterschiedlich sind. Ich stehe immer noch mit einigen dieser Austauschschülern in Kontakt und ein Treffen ist auch schon geplant.

Mehrere Male wurde ich von AFS eingeladen, Schulen zu besuchen, an denen Informationsveranstaltungen über Austauschjahre stattgefunden haben. Vor einzelnen Klassen oder auch vor Jahrgängen habe ich meine Erfahrungen zu einem Austauschjahr geteilt und auch Fragen darüber, oder über Deutschland beantwortet.

Freunde an der High School habe ich auch gefunden. Besonders über den Sport. In den USA ist es so, dass es kaum Sportvereine gibt, sondern jede Schule Schulteams hat, die dann gegeneinander in unterschiedlichen Ligen antreten. Ich habe Fußball und Volleyball gespielt und bin mit dem Volleyballteam sogar Landesmeister in der 1. Liga geworden.

Mit meinen Freunden habe ich mich an Wochenenden getroffen und wir haben die unterschiedlichsten Dinge unternommen. Von Wanderungen durch Naturgebieten über Strandbesuche zu einfachen Filmabenden bei jemandem Zuhause.

Das Austauschjahr war für mich – bis jetzt – das wahrscheinlich lehrreichste Jahr meines Lebens. Ich konnte so viele Dinge über eine andere Kultur lernen und selber noch mehr über meine eigene. Ich bin innerlich gewachsen, selbstständiger geworden und kann unterschiedliche Standpunkte besser verstehen. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, mit anderen Menschen aus unterschiedlichen Gruppen zu kommunizieren. Dafür ein ganz großes DANKESCHÖN!

Claus Miesner